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Fliesenleger-Betriebe wollen den”Meister” zurück!

Denn Bayern startet Initiative zur Wiedereinführung der Meisterpflicht

Die Bayerische Staatsregierung hat vorgestern im Bundesrat einen Entschließungsantrag zur Wiedereinführung des verpflichtenden Meisterbriefes eingebracht: Der Bund soll in allen Handwerken, bei denen es fachlich geboten und rechtlich möglich ist, den verpflichtenden Meisterbrief wiedereinführen.

Auch Markus Mies (Obermeister der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung Hellweg-Lippe) sieht darin „sowohl einen wichtigen Schritt zum Verbraucherschutz als auch die Chance, wieder mehr jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zu bieten.“ Er appelliert daher an die Politiker im Bund wie im Land, die Handwerksordnung tatsächlich entsprechend zu ändern.


Der Hintergrund

Seit knapp 15 Jahren kann in einer Vielzahl von handwerklichen Berufen jeder einen Betrieb eröffnen, der sich dies zutraut: Eine der 2004 liberalisierten Handwerksbranchen ist die der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Die betroffenen Innungen und Betriebe hatten sich schon im Vorfeld vehement gegen die Gesetzesnovelle gewehrt und argumentieren seitdem unverändert dagegen. Obermeister Mies sieht sich bestätigt: „Die Zahl der Betriebe im Innungsbezirk hat sich zwar deutlich erhöht, doch handelt es sich dabei ganz überwiegend um Kleinstfirmen, die meist nur eine geringe Lebensdauer haben und nach wenigen Jahren wieder vom Markt verschwunden sind.“ Für die Kunden bedeute das häufig: Bei möglichen Reklamationen ist kein Ansprechpartner mehr zu finden! „Leider lassen sich zahlreiche private Bauherren vom niedrigen Preis verleiten. Und die öffentliche Hand vergibt ihre Aufträge meistens auch nur an den billigsten, nicht aber an den wirtschaftlichsten Anbieter, wie es eigentlich sein sollte“, beschreibt Mies die Lage, in die auch die Fachunternehmen seiner Innung (zuständig für die Kreise Soest und Unna sowie die Stadt Hamm) geraten sind. Viele Kollegenfirmen hätten ihre Belegschaften erheblich reduzieren müssen, denn: „Es gibt eine große Zahl von Betrieben, die zwar zunächst preiswert arbeiten, aber nur gering qualifiziert sind und deswegen Anlass zu Klagen bieten. Gerade das Zusammenspiel des jeweiligen Untergrunds mit Abdichtung, Kleber und den Fliesen oder Platten ist hochkompliziert. Dem sind diese Anbieter nicht gewachsen. Am Ende werden dann wir Meisterbetriebe gerufen, um fremde Arbeiten zu Ende zu führen oder schwere Schäden zu beheben. Unterm Strich hat der Kunde davon: deutlich höhere Kosten und viel mehr Ärger.“ Der Obermeister empfiehlt daher dringend, vor einem Auftrag zunächst Referenzen einzuholen,  diese zu prüfen sowie bei der Kreishandwerkerschaft nachzufragen.

Die Zahlen

Die Entwicklung der Betriebszahlen in der Innung läuft parallel zu der im gesamten Bundesgebiet: 2004 gab es in Deutschland 25.000 selbstständige Meister, 2016 waren schon fast 70.000 Betriebe in dem Gewerk eingetragen. Hinzu kommen noch einmal viele Tausend, die Fliesenarbeiten auch „im Programm“ haben, aber zum Beispiel als Trockenbauer, als sogenannte „Haumeisterdienste“ oder Garten- und Landschaftsbauer registriert sind.

Genau gegenläufig ist die Tendenz bei den Lehrstellen: 2004 wurden mehr als 3.000 junge Leute in diesem Beruf ausgebildet, aktuell sind es bei der fast verdreifachten Betriebszahl nur noch knapp 2.000. Auch diese Entwicklung macht dem Obermeister und seinen Kollegen größte Sorgen: „Die vielen Solo-Selbstständigen denken gar nicht erst daran, einen Lehrling zu beschäftigen. Aber: Wer soll die Arbeit in Zukunft denn erledigen? Und wer bietet einem Schulabgänger oder einer Schulabgängerin die Chance, einen interessanten und vielfältigen Beruf von der Pike auf zu lernen und so für den Lebensunterhalt zu sorgen?“, fragt Mies.

Aufgeben gibt es nicht

Beide Punkte, Verbraucherschutz und die Ausbildungsleistung der von Meistern geführten Betriebe, führt er als die Argumente dafür an, „den Fehler der Novelle der Handwerksordnung jetzt möglichst schnell zu korrigieren“. Diese Position werde mittlerweile nicht nur von der Baugewerkschaft, sondern vor allem von Politikern insbesondere in der CDU/CSU und der SPD geteilt. Mies hofft dringend, dass entweder sie oder Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Schritt zur neuerlichen Gesetzesänderung bald tun, damit diese noch in der aktuellen Legislaturperiode Realität wird. Die Absichtserklärung dazu steht zumindest im Koalitionsvertrag der beiden Fraktionen.

„Wir haben so lange dafür gekämpft, obwohl man uns zunächst keinerlei Chancen gegeben hat. Jetzt sehen wir die Tür einen deutlichen Spalt offen“, ist der Obermeister vorsichtig optimistisch. Aufgeben wollen er und seine rund 80 Innungskollegen in Hellweg-Lippe auch nach 15 Jahren auf keinen Fall. „Betriebe und Kunden brauchen diesen Qualifikationsnachweis: Wir wollen endlich den „Meister“ zurück!“

Foto: Obermeister Markus Mies (Anröchte) freut sich über den Vorstoß der bayerischen Staatsregierung im Bundesrat. Auch die rund 80 Betriebe der heimischen “Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung Hellweg-Lippe” fordern nämlich: “Wir wollen den “Meister” zurück!”
Quelle & Foto: Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe

 

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MACHERMAGAZIN Nr. 6 – Herbst 2019

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